Harald beim Doppel-Ultra-Triathlon in Moosburg (Österreich)

Idee und Anmeldung

Ich hatte schon seit längerem mit einem Wettbewerb oberhalb der Ironman-Distanz geliebäugelt. Im August letzten Jahres stieß ich beim Stöbern im Internet auf die Homepage des Veranstalters in Moosburg. Beim Nachsehen der Ergebnisse der letzten Jahre stellte ich fest, dass nur etwa 10 Einzelteilnehmer mitmachen und ich Chancen habe, nicht als Letzter ins Ziel zu kommen, da ja noch die 3fach-Teilnehmer unterwegs sein würden. Ich entschloß kurzfristig, mich anzumelden, zumal die Anmeldegebühr mit 290 € recht human ausfiel. Dieses Vorhaben würde ich nicht fast ein Jahr für mich behalten können, so dass ich von Anfang an dieses Ziel offensiv anging und jedem davon erzählte, der es hören wollte.

Planung der Vorbereitung

Was ist da schon viel zu planen ? Ist doch nur etwas länger als die bisherigen 13 Langdistanzen, die ich ja bisher absolviert hatte. Nur das Radfahren machte mir Sorgen, da ich da schon oft bei den 180 Kilometern Probleme bekommen hatte. So nahm ich mir vor, das Radtraining ab März 2007 mit dem Mallorca-Aufenthalt zu beginnen und möglichst viele Radtouristiken zu fahren. Fürs Schwimmen sollte das Montagstraining reichen – da bin ich oft als erster im Wasser gewesen und als Letzter wieder draußen. Hoffentlich würde nur das Wasser im See beim Wettbewerb nicht so kalt sein ( vor zwei Jahren waren es nur 16° ).

Mallorca-Trainingslager

Wie geplant, hatte ich vor Mallorca kaum Rad trainiert, obwohl das Wetter in Deutschland dies eigentlich dieses Jahr zugelassen hätte. Schon am 2. Tag bekam ich so massive Probleme, mit der Gruppe mitzukommen, dass ich am Ende des Tages mein Vorhaben „Double-Langdistanz“ eigentlich schon abgeschrieben habe. Das gute Zureden von Felix und Peter bewogen mich, weiter in der Gruppe mitzufahren, was dann ganz gut ging. Dies lag aber wohl daran, dass mit Nicole Mager jemand in der Gruppe war, die immer mal eine kleine „Auszeit“ brauchte kurz bevor ich selber geplatzt wäre.

Der Supergau 2 Wochen vor dem Wettkampf

Ich habe dann wie geplant, etliche Radtouristiken gefahren und wollte 2 Wochen vor dem Wettkampf meine finale Trainingsfahrt bei der RTF in Bochum machen. Kurz nach dem Start begann es zu regnen und hörte gar nicht mehr auf. So entschied ich mich unterwegs, nur die 110-Kilometer-Strecke statt der 150er-Runde zu fahren. Zehn Kilometer vor dem Ziel bekam ich einen Platten. Also Mantel runter und Splitter, Gasscherbe o. ä. suchen, was mir trotz intensiver Suche nicht gelang. Also, neuen Schlauch rein und weiter. Schon einen Kilometer später dann der nächste Platten. Nun fand ich einen Glassplitter, hatte aber gerade meinen einzigen Ersatzschlauch aufgebraucht. Man kann ja auch flicken ! Aber, oh weh – Flicken ist vorhanden, aber der Kleber fehlt. !!! Also sprach ich einen anderen Radfahrer an, der mir dann seinen Ersatzschlauch verkaufte. Damit kam ich bis zum Ende der RTF.
Aber nun musste ich noch zum Bahnhof – die gerade an mir vorbeifahrende Straßenbahn nimmt man natürlich nicht! Bereits nach einem halben Kilometer später der nächste Plattfuß – nun hinten !! Kein Ersatzschlauch – kein vollständiges Flickzeug, also doch die Straßenbahn nehmen. Also zur Haltestelle und festgestellt, dass die Sonntags nur halbstündig fährt und die war ja gerade weg !!! Beim Warten auf die Straßenbahn betrachte ich meinen Fahrradsattel. Und da stelle ich fest, dass der völlig kaputt ist. Der Riß im Leder war mir schon länger aufgefallen, aber das war ja schon über ein Jahr lang!!

Vorbereitungshektik

Ich war jetzt gezwungen, mir einen neuen Sattel zu kaufen. Der sollte das gleiche Modell sein, wie ich bisher hatte. Den fand ich dann bei Watzup in Oberhausen und kostete nicht mal viel. Aber dann kamen mir doch Bedenken, mit einem nicht eingefahreren Sattel eine solche Distanz ( immerhin 360 km ) zu fahren. Warum also nicht mit 2 Fahrrädern im Wechsel fahren, was lt. Ausschreibung ja erlaubt ist. Aber ich habe kein vernünftiges 2. Rad. Also kurzfristig eins kaufen, aber da war ja nur noch eine Woche Zeit bis zur Abreise nach Österreich. Also von Fahrradhändler zu Händler, aber spätestens bei der Aussage, dass ich das Rad am Freitag spätestens abholen müsste, streckten alle die Segel. Der Einzige, der mir was anbieten konnte war Heigei, der ein Rad in meiner benötigten Größe als Kommissionsware von einem Kunden da hatte. Ich entschloß mich, das Rad zu kaufen, holte es Freitags ab und verpackte es gleich.

Packen und Fahrt

Beim Packen stellte ich fest, dass auch in einen BMW-Kombi nicht unendlich viel Gepäck reingeht, so dass ich die beiden Räder Mallorcamäßig einpacken musste. Ansonsten hatte ich etliches an Gepäck, da ich in Erwartung von Regen und kalten Temperaturen vor allem nachts jeweils 5 Garnituren Rad- und Laufbekleidung einpackte und das vorgeschriebene Zelt, was ich vor ein paar Monaten bei Ebay ersteigert hatte. Schließlich war alles gepackt, so dass ich mich mit einer Zwischenübernachtung in München auf den Weg machte.

Eintreffen in Moosburg und Vorbereitung vor Ort

Bei der Einfahrt in Mossburg entdeckte ich gleich einen See, dessen zweiter Teil bereits Bojen aufwies – dies musste das Badegewässer sein. Die gebuchte Pension erwies sich als genial, da direkt an der Radstrecke gelegen, so dass ich die Testfahrten nach Zusammenbau der Räder machen konnte. Das neue Rad „fühlte sich toll an“ – nur der neue Sattel auf dem alten Rad schien etwas gewöhnungsbedürftig. Das Zelt in der Wechselzone baute ich dann einen Tag vor dem Wettkampf auf. Dazu sprach ich jemanden an, der sich später auch als Double-Distanzler Georg herausstellte. ( nach 5:22 Std. Schwimmen im Bruststil – Gruß an Volker, der wäre schneller gewesen - und 8 Radrunden = 48 km ausgestiegen ) Das Zelt, was ich vorher noch nie aufgebaut hatte, war doch arg klein geraten. Da mir inzwischen offeriert wurde, dass meine gesamten Klamotten in meinem Zelt zu deponieren sind, war hier bereits Organisationstalent gefragt. Abends war dann Wettkampfbesprechung, an dessen Ende 4 anderen Teilnehmern und mir unsere vom Veranstalter gebuchten Helfer vorgestellt wurden. Es handelte sich dabei um eine Frau, einem Mann und einigen Kindern im Alter von etwa 12 bis 16 Jahren.

Der Startmorgen

Start war für alle Teilnehmer ( 2fach, 3fach- Einzelteilnehmer und alle Staffeln ), also etwa 100 Personen um 7 Uhr. Vorher zog ich erstmals in diesem Jahr meinen Neo an und ließ mich im Nackenbereich ordentlich mit Melkfett einschmieren. Da hatte ich schon mal einen aufgescheuerten Nacken gehabt und dies konnte ich hier nun gar nicht gebrauchen. Trotz der wenigen Teilnehmer bekam ich beim Start schon ein paar Schläge ab, aber schon nach ein paar Metern konnte man ruhig seine Bahn ziehen. Die Schwimmstrecke war sehr übersichtlich mit Bojen gekennzeichnet, so dass ein Verschwimmen nicht möglich war. Das Wasser war angenehm warm. Zur Zeitmessung wurde der Pentek-Transponder eingesetzt, der eine Reichweite von 3 – 4 Metern haben soll. Beim Schwimmen musste man am Ende jeder Runde unter einem Zugang zu einem Fischerhaus herschwimmen, wo die Messmatte angebracht war. Etwa jede 3. Runde ging ich ans Land, um etwas zu trinken und zu essen. Mit der Schwimmzeit von 3:15 Std. war ich sehr zufrieden – hier hatte ich auf 3:30 Std. gehofft.

Wechsel und Radfahren

Nun musste ich mich in meinem kleinen Zelt umziehen, was mehr schlecht als recht gelang. Ich hatte mich entschlossen, mit meinem alten Rad zu beginnen. Dies lief dann recht gut, weil man ja überaus vorsichtig beginnt. Nach 8 Runden ( 48 km ) wechselte ich dann das Rad. Und oh Wunder, das neue Rad lief einfach besser. Nach 16 Runden ohne größere Probleme wechselte ich wieder aufs andere Rad. Ich habe versucht, viel, viel zu trinken, was dann die Auswirkung hatte, dass ich etwa 20 mal anhalten musste, um überschüssiges Wasser loszuwerden. Leider gab es mehrmals zwischendurch heftige Regengüsse, so dass ich mich mehrmals entschloß, meine Radsachen zu wechseln, um wieder trockene Sachen anzuhaben.
Für die Nacht hatte ich beide Räder mit Batteriebeleuchtung ausgerüstet. Zum Beginn der Dunkelheit, die schlagartig um 21 Uhr begann, stellte ich die Beleuchtung an. Schon nach 2 Runden hatte meine erste Frontbeleuchtung den Geist aufgegeben. Apropos Straßenbeleuchtung: Lt. Ausschreibung sollte die gesamte Strecke beleuchtet sein, was sich aber als Trugschluß herausstellte. Nur im Ortsbereich war das so, auf der 2,2 km langen Pendelstrecke außerhalb des Ortes hatte man ganze 3 Strahler aufgebaut. Einer an der Wende, einer an der Stelle, wo die Staffeln wechselten und alle von den Helfern versorgt werden konnten und die dritte etwa mitten auf der Strecke. Diese allerdings hätte man auch besser weggelassen, da diese eher blendete als half. Also wieder Radwechsel vornehmen und der Auftrag an die Helfer, neue Batterien in die bereits ausgefallene Lampe einzusetzen. Auch die nächste Frontbeleuchtung gab schon nach ein paar Runden auf, so dass ich wieder das Rad wechselte, da ja dort wieder frische Batterien drin waren.
Nach ein paar Runden schrie mich ein Überholer an, dass meine Rückbeleuchtung nicht funktionieren würde. Ich war sicher, dass ich diese eingeschaltet hatte. Es war aber wirklich aus. Mit einem Knopfdruck war die Beleuchtung an und weiter ging es. Einige Runden später machte ich Essenspause. Beim Versuch die Rückbeleuchtung ( um Batterien zu sparen ) auszuschalten, ging das Licht nicht aus. Was soll es, auf die paar Minuten Batteriesparen kommt es auch nicht an ! Weiter gings, bis dass ein paar Runden später, einer von hinten schrie: „Hast ja immer noch kein Licht an“. Daher entschloß ich mich, wieder das Rad zu wechseln, dessen Beleuchtung aber auch schon nach kurzem ausfiel. Ich musste mir schließlich noch die Beleuchtung von meinem inzwischen ausgeschiedenen Zeltaufbaugehilfen leihen und kam so gerade noch bis zum Radende durch. Um Viertel vor 4 in der Frühe war ich mit dem Radfahren fertig.

Das Laufen (Hitzeschlacht und wunde Füße)

Wie erwartet konnte ich zu Anfang nur Gehen, kam aber recht gut voran. Nach einiger Zeit konnte ich einige Passagen zwischendurch laufen. Bereits früh am Morgen wurde es recht warm. Im Gegensatz zum Radfahren, wo die Temperaturen recht moderat waren, wurden es jetzt über 30 ° und schließlich hatte ich das Gefühl, der Asphalt würde brennen. 13 Runden vor Schluß (immerhin noch etwa 28 km vor dem Ziel ) begab ich mich ins Zelt, um mir meine Füße anzusehen. Da waren sage und schreibe 5 Blasen, die ich dann aufstach, um die Flüssigkeit herauszudrücken. Da kam aber nur unwesentlich was raus, so dass ich zum Rot-Kreuz-Wagen ging. Mein Wunsch war nur noch, irgendwie weiterzukommen. Man verpasste mir einige Kompressen, wonach es dann wieder besser ging. Ich konnte dann nach 35 ½ Stunden ins Ziel laufen, wo ich den Granit und das Finisher-Shirt überreicht bekam.

Helfer und Verpflegung

Die Helfer waren sehr emsig und die meisten Sachen haben auch gut geklappt. Aber es ist natürlich ein Unterschied, ob man jemanden dabei hat, der einen kennt und dem man nicht alles erklären muß. Für Verpflegung rund um die Uhr war wie in der Ausschreibung geschrieben gesorgt. Wenn man aber irgendwann zum 3. Mal Nudeln und Reissuppe gegessen hat, möchte man eigentlich mal was anderes haben. Nur an warmen Sachen gab es eben nicht anderes. Auch an Kuchen, Brötchen und ähnlichem war nicht gerade reichlich Auswahl. Da sollte man zukünftig selbst einiges mitbringen.

Fazit und Ausblick

In ein paar Sachen war ich wohl etwas blauäugig ( Radsattel, neues Rad, Radbeleuchtung, Zelt, Verpflegung ) Es ist gutgegangen. Jetzt eine Woche nach dem Wettkampf, denke ich dass das gar nicht so schwierig war. Ich glaube, dass mindestens 20 ASVler dies aus ihrem normalen Training heraus schaffen würden. Das Ziel darf dann eben auch nur wie bei mir heißen – finishen. Der Wettkampf hat mir gut gefallen, weil es doch wesentlich entspannter zur Sache geht. Ich möchte nicht ausschließen, dies noch mal zu machen – dann mit der Erfahrung von diesem Jahr vielleicht noch ein wenig besser.

Weitere persönliche Ziele

So langsam gehen meine Ziele aus. Es stehen noch Langdistanzen in Asien und dem Kontinent Amerika aus. Damit hätte ich auf jedem Kontinent eine Langdistanz gefinisht. ( 1997 Neuseeland, 2006 Südafrika und Europa sowieso ) Was mir aber noch im Kopf herumspukt ist folgendes:

Das Ärmelkanalschwimmen 2008?

Da ich mir das alleine nicht zutraue, würde ich das gerne in einer Staffel tun. Üblich sind 6er-Staffeln, die sich meist stündlich abwechseln und zwischen 10 – 15 Stunden benötigen. Das Wasser hat um die16°, darf nur in Badehose bzw. –anzug schwimmen und man ist verpflichtet ein Pilot-Boat zu nehmen. Wer daran Interesse hat, sollte mich ansprechen.