07.01.2007 - Honigkuchenmann-Marathon Kevelaer

Der Honigkuchenmann-Marathon wurde in diesem Jahr zum fünften Mal ausgetragen und zeichnet sich durch eine sehr gute Organisation aus. Man parkt auf einer Wiese direkt an der Jugendherberge, in der Umkleiden, Startunterlagenausgabe und alles weitere untergebracht sind. Zum Start sind es ca. 200m, das Ziel ist direkt vor der Jugendherberge. Die Teilnehmerzahl ist auf 333 beschränkt. Die Strecke ist komplett flach, etwas windanfällig und geht in sieben 6 km-Runden (+ Zielspurt) von der Jugendherberge des Wallfahrtortes Kevelaer zum Örtchen Winnekendonk und wieder zurück. Zunächst läuft man ca. 1,5 km auf Lehm-/Asphaltwegen aus dem Startbereich heraus, dann geht es Richtung Winnekendonk und in einem Bogen von ca. 3 km wieder zurück in Richtung Startbereich, wo man dann wieder ca. 1,5km auf dem gleichen Weg wie hin zum Start läuft, ehe es an einem Wendepunkt in die nächste Runde geht. Es gibt auf dieser Runde drei Verpflegungsstellen mit Wasser, Tee, Cola, Bananen, so dass man alle 2 km komplett versorgt wird.

Für den ASV war Stefan Bäumer am Start und berichtet von seinem Jahresauftakt.

"Ich laufe ja eigentlich keinen Wettkampf, sondern nur einen langen Trainingslauf. Also habe ich diese Woche normal trainiert und mir kein festes Zeitziel gesetzt. Dummerweise treffe ich vor dem Start die Vereinskollegen Erwin und Michael, die zur Unterstützung von Torsten Domeyer (Neu-ASVer) angereist sind und mich gleich mit ihren Erwartungen an mein Rennen konfrontieren ("Du läufst doch auch ganz vorne mit", "jaja, ist klar, Trainingslauf, das glaubst Du doch selbst nicht" etc.). Also vielleicht doch mal versuchen unter 3 Stunden zu bleiben?!

Um 10 Uhr ist Start und die Meute hat sich bereits versammelt. Kurz nach dem Startschuss komme ich mit einem Läufer ins Gespräch und so sind schnell die ersten KM absolviert. Schnell stellt sich heraus, dass KM1 und KM6 der Runde etwas zu kurz beschildert sind, dafür sind KM2 und KM5 etwas länger. Macht nix, da kann man sich drauf einstellen. Wir laufen locker schwatzend weiter und haben die erste Runde schnell nach 25:42 min. hinter uns. Ich beschleunige etwas und im Start-Zielbereich stehen eine ganze Reihe Leute, die nicht mit Applaus sparen, man braucht sich hier also nicht so alleine fühlen, wie man es bei so einem Acker-Marathon auf dem Land vielleicht erwarten würde. Dazu gibt es an drei Stellen laute Musik, vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber ich finde es witzig mit "Rock you like a hurricane" von den Scorpions, "Superstitious" von Europe und dem unvermeidlichen "Life is life" von Opus begrüßt zu werden. Das ist doch solider 80er-Jahre Hard Rock. Da hat mir nur ein wenig AC/DC gefehlt.

Zu Beginn der zweiten Runde gesellt sich ein Läufer aus Bottrop zu mir, der erzählt, dass er in den letzten Wochen drei Mal Marathon in 2:58 Std. gelaufen ist und das auch heute wieder vor hat. So vergeht auch die zweite Runde wie im Fluge und nach 24:56 min. sind wir auf Kurs, um unter 3 Stunden zu laufen. Meinem Mitläufer wird das aber hier doch etwas zu schnell, so dass ich mich weiter nach vorne orientiere und die nächste Gruppe anpeile. Ich liege momentan ca. auf dem 15. Platz. In der dritten Runde arbeite ich mich an eine 5er-Gruppe heran, die ich auch nach ca. 14 km erreiche. Jetzt kann ich kurz durchatmen und den Puls wieder unter 170 bringen. Wichtig erscheint mir aber, bei dem Gegenwindstück von 16 km bis 18 km nicht alleine zu laufen. Wir passieren die Verpflegungsstelle und als wir in den Gegenwind kommen versteckt sich auf einmal der bislang führende Läufer der Gruppe und recht schnell liege ich in Führung und stehe doch wieder im Wind.

Auf dem Wendepunktstück kommen uns die Führenden entgegen. Torsten liegt an fünfter Stelle. Mir kommt es aber so vor, dass der Abstand nicht viel größer geworden ist und ich ein ähnliches Tempo laufe. Am Start werde ich wieder von Erwin und Michael angefeuert (mit Megaphon ;-)) und wir machen eine LaOla. Die Gruppe zerfällt kurz darauf, da ich, angestachelt durch die Musik/Zuschauer, etwas beschleunige und niemand mein Tempo mitgehen will. Es geht weiter auf die bereits bekannte Runde und die Halbmarathonmarke ist nach 1:28:15 Std. erreicht. Wieder geht es gegen den Wind, auf das Wendepunktstück. Nun hat die Spitze gewechselt und ein anderer Läufer ist vorne vor dem bislang Führenden. Diese beiden werden so auch mit 2:47 und 2:48 ins Ziel laufen. Der Drittplatzierte ist schon ein Stück zurück, wird aber auch am Ende Dritter in 2:53 Std.. Der zu Beginn Zweitplatzierte bricht völlig ein und wird von mir nach 30 km überholt. Die vierte Runde bin ich 24:35 min. gelaufen.

Nun geht es also in die fünfte Runde und es rollt tatsächlich. Die Runde ist sogar die schnellste meines Rennens mit 24:31 min.. Da ich am Wendepunkt einen weiteren Läufer überholt habe, bin ich jetzt auf neunter Position und fest entschlossen, hier heute nicht nur unter 3 Stunden, sondern auch unter die ersten Zehn zu laufen. Ich nehme mir vor, die sechste Runde weiter rollen zu lassen und dann in der letzten Runde noch einmal auf die Zähne zu beißen, dann ist die Sache doch schnell und schmerzlos vorbei. Bei KM 33 überhole ich einen weiteren Läufer, der ein Firmenkollege ist und mich gleich weiter durchwinkt, er hat keine Kraft mehr. Inzwischen habe ich auch den Vorjahressieger überholt und liege auf dem 7. Platz. Die sechste Runde ist nach 25:05 min. vorbei und nun werden die Beine etwas schwerer. Ich bin in den letzten 3 Monaten zwar schon eine ganze Reihe 30er gelaufen, aber nur einmal länger mit 36 km. Eine spezielle Marathonvorbereitung gab es auch nicht.

Erwin und Michael feuern mich noch einmal an, dass der vor mir laufende Weezer auch noch zu packen ist. Auf dem Wendepunktstück geht es weiter gut mit Rückenwind, obwohl es jetzt sehr weh tut. Ich nehme an der Verpflegung jetzt Cola statt Tee. Der Weezer kommt mir tatsächlich näher und bei KM 39 ist es soweit. Er bleibt stehen zum Trinken und wird gleich zwei Mal überholt, denn von hinten kommt ein Läufer und lässt mich auch stehen. Das ist das einzige Mal in diesem Rennen, dass ich überholt wurde und schon etwas ärgerlich, aber der Überholende ist auch ein starker Läufer, der mir auf den letzten 3 km noch 1,5 Minuten abnimmt. Ich werde langsamer, 26:16 min. für die letzte Runde, bin aber froh jetzt ins Ziel laufen zu dürfen und es geschafft zu haben. Für Januar ist mein Ergebnis von 2:56:51 Std. und fast ganz gleichmäßige Rennhälften doch super. Über den 7. Gesamtplatz kann ich mich auch nicht beschweren.

Im Ziel gibt es einen Honigkuchen für jeden Teilnehmer (Kevelaerer Spezialität und Namensgeber des Laufs) sowie reichlich Cola für mich. Die Duschen sind schön warm, meine Schmerzen halten sich noch in Grenzen, prima. Bei einem Kaffee warten wir (Torsten ist 4. geworden) auf die Siegerehrung, was sich noch eine Weile hinzieht. Für den zweiten Platz in der M30 gibt es einen Blumenstrauß und eine Sporttasche. Da freut sich auch meine Frau. Ein schöner Lauf geht zu Ende. Mit einer gezielteren Vorbereitung wäre auch noch mehr drin gewesen (der Dritte ist nur 3,5 Minuten schneller gewesen), aber das habe ich mir damit für die nächsten Rennen aufgespart."